Dienstag, 02.03.2010
Das Wort „Usability“ ist zurzeit in aller Munde, zumindest bei den Programmierern, Designern, Informationsarchitekten und wohl auch den Textern - doch warum? Ist es der technische Fortschritt im Forschungsbereich oder ein notwendiges Übel, um die Kosten-Nutzen-Relation in Zeiten wirtschaftlicher Krisen zu optimieren? Die Konversionsrate ist ebenfalls ein sehr trendiger Begriff, der vor allem auf Kundenseite immer öfter ausgesprochen, niedergeschrieben, gemailt, getwittert oder sogar über Geotagging in irgendeiner der unzähligen Atlanten 2.0 wie maps-dot-google publiziert wird. Vielleicht hat Usability auch durch die Masse an Funktionalitäten, den sog. Web 2.0-, 3.0- oder 4.0-Technologien, ihre Bestimmung gefunden, denn es geht dabei ja um nichts anderes als die Benutzerfreundlichkeit - von was auch immer.
Früher war Benutzerfreundlichkeit ein Bauchgefühl, das mehr oder weniger durch den Verstand geleitet wurde - intuitive Erschaffung. Der Nutzer wird das schon genau so sehen wie ich, ist doch auch logisch! Aber jede Forschung findet ihren Anfang und was früher noch non-verbal in einem langen Prozedere abgefragt werden musste, übernimmt heute der Eyetracker in Kombination mit anderen Messverfahren wie Pupillometrie oder psychogalvanische Reaktion. Denn so schön und günstig die gute alte Befragung auch ist, gibt es dort die eine oder andere Problematik. Die größte ist wohl die Höflichkeit, denn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus Höflichkeit lügt, um einer eventuellen Auseinandersetzung zu entgehen, ist relativ hoch. Hinzu kommt die Interpretation der Daten, die auf Grund der Semantik oft zu Ergebnissen führen, die eine Frage nur ungenügend oder gar nicht beantworten kann. Misst man hingegen die unverfälschte körperliche Reaktion, sind valide Daten und ein zielführendes Ergebnis um ein vielfaches Wahrscheinlicher.
In der Wirtschaft wird in der Regel untersucht, was die Konversionsrate steigern kann, eigentlich klar, denn Umsatzsteigerung ist nun mal das Ziel der Ziele. Die Konversionsrate beschreibt den prozentualen Anteil von Besuchern, die dann letztlich zu Käufern werden. Wenn ein Online-Shop also im Monat 100 Besucher hat und einer davon zum Käufer wird, liegt die Konversionsrate bei einem Prozent. Wenn man den Zahlen, die im WWW kursieren, Glauben schenken mag, dann ist wohl die durchschnittliche Konversionsrate von Online-Shops zwischen 1 und 3 Prozent - nicht wirklich viel. Diese Zahlen hängen natürlich auch vom Involvement-Grad des Produktes / der Dienstleistung ab. Ein Low-Involvement-Produkt wie Butter kaufen wir eben ohne lange nachzudenken, wohingegen der nächste Autokauf (High-Involvement-Produkt) schon relativ lange entschieden werden muss. Supermärkte haben also wahrscheinlich eine höhere Konversionsrate als Autohändler.
Bevor ich mich nun „Bachelor of Arts in Communication Management“ nennen darf, muss ich in meiner Thesis zeigen, was ich in den vergangenen fünf Semestern gelernt habe. Das Thema steht schon länger, aber nun ist es offiziell beim Prüfungsamt eingegangen. In diesem 60-Seiter werde ich das Thema Usability auf multimediale Gestaltungselemente wie Bildergalerien, 3D-Previews, Flash-Filme oder Produktvideos in Online-Shops anwenden, um herauszufinden inwiefern sich dies auf das Kaufverhalten auswirkt. Eine Analyse vom Kaufverhalten ohne Psychologie, bzw. in diesem Fall Medienpsychologie ist unmöglich, weshalb diese Komponente mit einfließt. Das Thema lautet offiziell „Idealtypischer Einsatz von multimedialen Gestaltungselementen in Online-Shops auf Basis medienpsychologischer Erkenntnisse“.
Das Vorgehen ist relativ schnell erklärt, birgt aber viel Arbeit, denn zunächst werden ca. 900 deutschsprachige Online-Shops per Inhaltsanalyse untersucht, um das oder mehrere idealtypische Raster von Online-Shops herauszufinden. Diese idealtypischen Raster - ich gehe von 2 - 3 aus - werden dann mittels Eyetracking und Interview in einem spezifischen Untersuchungsdesign genauer analysiert, um am Ende sozusagen einen „Endsieger“ festzustellen. Dies kann nur auf Grund medienpsychologischer Erkenntnisse und qualitativer Messdaten geschehen. Diese Empfehlung für einen Aufbau, bzw. die Platzierung von multimedialen Gestaltungselementen in Online-Shops wird durch die qualitative Studie damit einzigartig. Hoffentlich geht mein Plan auf.
Bernado
Donnerstag, 12.03.2009
Mein Fachbereich der Fachhochschule Düsseldorf hat an dem „13. Junior Agency“-Wettbewerb des GWA teilgenommen und den dritten Platz belegt. Gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass es eine bundesweite Ausschreibung ist. Den ersten Platz hat der regionale Ernstrivale Köln abgestaubt, die mit der Hochschule Fresenius an den Start ging, zweiter wurde die Fachhochschule Mainz. Doch wie genau funktioniert das mit dem Wettbewerb?
Jede Hochschule muss eine Kommunikationskampagne entwickeln, jedoch für unterschiedliche Firmen/Produkte. Für wen und was die Hochschule etwas entwickelt wird – so glaube ich – von der Hochschule selbst festgelegt und auch die betreuende Agentur wird selbst akquiriert. Die Studierenden arbeiten nämlich nicht nur mit den ProfessorInnen zusammen, sondern bekommen auch Unterstützung von einer (meist) großen und bekannten Agentur.
Die Hochschule Fresenius in Köln hat mit der GWA-Agentur „Antwerpes“ zusammen ein Kommunikationskonzept für die Sportsalbe „Traumeel“ entwickelt. Leo Burnett half den Studierenden der Fachhochschule Mainz bei der Positionierung des Fiat Scudo Panorama Family. Meine Fachhochschule wurde von Tbwa bei der Kommunikationskampagne für Henkel unterstützt.
Da aber jede Hochschule eine Kommunikationskampagne für unterschiedliche Produkte präsentiert, denke ich, dass die Vergleichbarkeit stark gefährdet ist. Vielleicht lässt eine Sportsalbe mehr Freiraum als ein Sekt – aus kommunikativer Sicht. Hin oder her, die genauen Entscheidungskriterien konnte selbst ich noch nicht erfahren, 2007 soll aber eine Hochschule gewonnen haben (es wird gemunkelt), weil sie ein Tortendiagramm mit Toast-Scheiben dargestellt haben. Drei mal darf man raten, welches Produkt kommuniziert werden musste.
Ich habe an diesem Wettbewerb nicht teilgenommen, da dies erst im 5. Semester (Wintersemester 2009/2010) auf mich zukommt. Ich nehme also am „14. Junior Agency“-Wettbewerb des GWA teil. In der hebräischen Bibel steht übrigens, dass es 14 Frauen gibt, die schön gewesen sein sollen. Gut, oder?
Bernardo
Dienstag, 18.11.2008
Das Manches nicht das ist, was es sein sollte, ist für uns alle ja nichts Neues. Diese Erfahrung sollte ich anscheinend auch im Studium machen. Schade. Wer käme bloß auf den absurden Gedanken, dass es im Spezialisierungsmodul „Wissensmanagement“ tatsächlich darum geht, wie man das Wissen in einem Unternehmen managed? Also unsere Wissensmanagement-Professorin schließe ich definitiv aus.
Wenn ich mir ihren Lebenslauf anschaue, dann wundert es mich nicht, dass wir nun TV-Formate entwickeln. Formatentwicklerin bei der Fernsehproduktionsfirma Formatschmiede GmbH & Co. KG, Producerin mit dem Schwerpunkt „Reportagen und Dokus“ bei der RTL-Tochterfirma creatv Fernsehproduktions GmbH oder Redaktionsleiterin der RTL-Talkshow „Hans Meiser“ bei der creatv. TV ist TV ist TV.
Wer käme bloß auf die Idee zu behaupten, dass es zu viel verlangt ist, wenn sich eine Professorin mit Doktortitel auf einen thematischen Schwerpunkt vorbereiten muss? Also ich nicht, es sei denn es wäre ironisch gemeint. Immerhin hat sie zwei von fünfzehn Vorlesungen für Wissensmanagement geopfert. Schnell mal 80 Folien an den Mann bringen. Der Clou (und ihre Rechtfertigung) an der Geschichte ist, dass wir ja unsere Ergebnisse aus den Projektarbeiten ins Wiki stellen. Wir teilen also unser Wissen mit den anderen Gruppen, gegen die wir konkurrieren. Ah ja. Content-Sharing über ein 08/15-OpenSource-Wiki ist also hochspezielles Wissensmanagement? Na danke.
Wie gesagt, wir machen ja auch eigentlich das Spezialisierungsmodul „TV-Content“, was sie auch nochmal extra anbietet. Laut den Fünft-Semestlern im Modul ist alles gleich, der Aufbau, die PowerPoint-Präsentationen und sogar das Praxisprojekt mit der Fernsehproduktionsfirma. Der Ärger ist groß, denn manche haben das schon hinter sich. Problem: Wissensmanagement wird nach diesem Semester erst wieder in 2 Jahren angeboten. Sehr sehr ärgerlich.
Das Projekt. Fünf Gruppen á fünf Personen entwickeln für die Fernsehproduktionsfirma insgesamt 75 „innovative“ TV-Formate. (Die Nutzungsrechte wurden natürlich vorher abgegeben.) Als Honorar bekommt am Ende die Siegergruppe 1.000 Euro, oder war es der gesamte Kurs? Der Workload pro Teilnehmer liegt schätzungsweise bei 30 Stunden, macht zusammen 750 Stunden Arbeitszeit für 75 ausgearbeiteten Ideen. Wir lernen also nebenbei noch, wie Firmen sich total daneben be- und Studenten ausnehmen können. Hurra! Aber kein Problem, die Frau Professorin und der Geschäftsführer der Fernsehproduktionsfirma haben sich bei dem (grauenhaften und unvollständigem) „Briefing“ ja auch geduzt.
Da muss ich nun durch. Alea iacta est.
Bernardo
Dienstag, 14.10.2008
Gestern war es erst, als ich den Schlüssel abgeholt habe. Ein toller Schlüssel. Ein Stückchen Freiheit. Aber auch ein wenig Macht. Bei dem Schlüssel handelt es sich um einen sog. Bohrmuldenschlüssel, der nun meinen Schlüsselbund ziert.
Sie fragen sich sicher wofür der Schlüssel eigentlich ist. Vielleicht der Schlüssel zur Inspiration oder zur ewigen Jugendlichkeit? Leider nicht. Dieser Schlüssel öffnet die Türen zu den IT-Laboren des Fachbereichs 7 der FH Düsseldorf. Nicht schlecht, oder? Aber warum sollte diese Nachricht einen Blogeintrag wert sein?
Dieser Schlüssel ist mit einer neuen Aufgabe für mich verknüpft. Denn seit Beginn dieses Wintersemesters bin ich offiziell Dozent der FH Düsseldorf. Ich werde einen wöchentlichen Photoshop-Kurs anbieten und dabei bestimmt 15 Teilnehmer bereichern.
In dem Kurs werde ich am Beispiel Webdesign die Grundlagen von Photoshop, Farbenlehre und Gestaltungsgrundregeln an den Mann und (politisch korrekt) die Frau bringen. Wir werden gemeinschaftlich eine Webseite gestalten für eine Branche, die der Kurs demokratisch wählt. Eben auch politisch korrekt. Abschließend werden die Teilnehmer eigenständig die Seite der FH Düsseldorf gestalten und Anfang Januar präsentieren. Die besten Exemplare werden dann entsprechend publiziert.
Morgen bekomme ich dann auch die Kombination für den Safe, welcher die Fernbedienungen für die Beamer beinhaltet. Ist das alles aufregend…
Bernardo
Dienstag, 07.10.2008
Am 29.09. begann für mich das dritte Semester und ich bin heil froh, dass ich nicht - wie viele andere Kommilitonen von mir - Module wiederholen muss. Ich werde mich voll und ganz auf die im Lehrplan vorgegebenen Fächer konzentrieren können und hoffen, dass nicht so viele Überraschungen dabei sind wie letztes Semester. Neu für mich ist, dass wir erstmalig Spezialisierungsmodule wählen konnten. Folgende standen zur Wahl:
Meine Wahl fiel auf Wissensmanagement und E-Learning. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem aber habe ich diese Kombination gewählt, da mit Wissensmanagement sicher noch mehr im E-Learning-Sektor erreicht werden kann als ohne. Bisher kann ich zu den Inhalten kaum etwas berichten, da wir selbst noch gar nicht richtig angefangen haben.
Neben den Spezialisierungsmodulen haben wir auch noch Pflichtveranstaltungen wie Kommunikationsplanung, Kommunikationsinstrumente, Kommunikations- und Medienforschung und Business English. Schön zu berichten ist, dass unsere Dozentin in Kommunikationsplanung einen großen Wert darauf legt, die Theorie praktisch anzuwenden. Dies bedeutet, dass wir dort schon mal auf Verstand und nicht bloß auswendig lernen, wie bei manch anderen Dozenten und Professoren.
Leider haben wir aber auch wieder unser liebevoll getauftes "Muttchen" in diesem Semester, die mit Kompetenz eher zurückhaltend ist und mit ihrer mütterlichen Art versucht alle zu umgarnen. In der Klausur stellt sie dann aber die richtig fiesen Fallen.
Ich werde wie immer auf der Hut sein und von meinen Abenteuern berichten.
Bernardo
Dienstag, 02.09.2008
Rückblick auf das 2. Semester „Kommunikations- und Multimediamanagement“. Wie ich inzwischen für mich festgestellt habe, wurde in der Lehre noch nicht soviel gelernt, wie ich erwartet hatte. Stupides Auswendiglernen ist leider immer noch eine gängige Praxis im Studium. Sicher ist das Abfragen von Wissen - also die Reproduktion von Vorlesungsinhalten - etwas, was in anderen Studiengängen wie z.B. Medizin oder Biologie unvermeidbar ist.
Wenn ich dann aber in Marketing drei Skripte auswendig lernen soll, damit ich die Klausur gut bestehe, stößt es bei mir auf völliges Unverständnis. Hinzu kommt dann auch noch, dass die Skripte aus Stichpunkten bestehen und der Inhalt sich mir teilweise gar nicht erschließen kann. Die Skripte reichen aber aus, wie schon viele vor mir bewiesen haben. Ergo geht es gar nicht darum etwas zu verstehen, sondern nur darum etwas wiederzugeben. Wie ein DVD-Player, der einen Film abspielt. Der kann mir aber auch nicht sagen, warum der Film denn bitte gut ist, warum die eine Szene mich packt und das Gesamtpaket überzeugt.
Wir sind eben keine Mediziner, die nicht unbedingt an Lebenden die Praxistauglichkeit zeigen können. Warum haben wir z.B. kein Marketingkonzept geschrieben? Wer denkt an die Unternehmen die Einstellen? Kann jemand wirklich Marketing, nur weil er gut auswendig lernen kann? Ist nicht das Anwenden von Wissen viel nachhaltiger? Welcher Arbeitgeber fragt schon wirklich nach den Prüfungsmethoden, wenn er 100 Bewerbungen auf dem Schreibtisch liegen hat?
Der Tenor ist zwiegespalten. Manche profitieren davon und manche eben nicht. Ich aber appelliere an die Nachhaltigkeit und hoffe auf die Qualitätserhöhung der Lehre.
Bernardo