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News aus der Agentur

Müll an alle

Freitag, 20.03.2009

Lesenswert: Adam Soboczynski lüftet im neuen ZEIT Magazin die ganze Wahrheit über die moderne Kommunikation. Ach ja, ist bei Ihnen zufällig eine 3-Zimmer-Wohnung frei?

Eigentlich ist alles über die Vor- und Nachteile, den Irrsinn und die Chancen moderner Kommunikation gesagt und, klar, vor allem geschrieben worden. Adam Soboczynski weiß das. Die Klagen um die Zeit, die der Informationsüberfluss frisst, die Oberflächlichkeit, die sich breit macht. Oder wie ärgerlich die Arbeitsunterbrechungen sind. Doch Soboczynski hat sich einer ganz besonderen Unsitte angenommen: Der „E-Mail an alle“.

Mit dieser „Extremform“ werde der Verlust unserer Hemmschwelle, andere zu belangen, offenbar, stellt er fest. Da suche die Kollegin dringend ihre Benjamin-Blümchen-Tasse, was die gesamte Controlling-Abteilung einen Moment in Schockstarre versetze. Ein anderer biete Udo-Lindenberg-Konzert-Karten an, um zehn Minuten später eine zweite Mail an alle zu senden, in der mitgeteilt wird, dass die Tickets jetzt weg seien. Amüsante Beispiele kennt Soboczynski genug: Jeder kennt Sammel-Mails wie „Die Milch ist schon wieder alle“, oder „Im Foyer steht jetzt Kuchen“. Mir gefällt dieses am besten: „Wer druckt gerade 500 Seiten über Strafrecht in Uruguay am A3-Drucker aus?“

Das schöne an dem sehr lesenswerten Text ist aber, dass Soboczynski weiß, dass es unsinnig wäre, derartige Auswüchse des Mail-Verkehrs zu untersagen. Weil sie längst zum Alltag gehören. Und weil es vielleicht genauso unrealistisch sei, wie der Tipp diverser Ratgeber, seine E-Mails nur zu bestimmten Zeiten zu checken. „Als sei Neugierde eine kontrollierbare Marotte.“ Tja, so ist es eben. Der Rückblick auf die Vorgänger der „E-Mail an alle“, also auf Telefon-Ketten, auf Zettel am Schwarzen Brett oder auf Hausmitteilungen, die von einem „gut gelaunten jungen Mann mit seinem Wägelchen durch die Büroflure“ geschoben wurden, entlockt ein amüsiertes Grinsen.

Und selbst im Sumpf der „E-Mails-an-alle“ (ob mit oder ohne Ausrufezeichen) liegt die Chance, besonders positiv aufzufallen. Weiß jedenfalls Soboczynski. Er bekam schlussendlich die Mail einer Kollegin, die wusste, an welchem Artikel er arbeitete. In der Betreffzeile stand: „Diese Mail ist nur für Sie.“ Wie schön!